3. Juni 2021
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Als ich eingezogen bin, war das Wydehöfli ganz anders als heute.

Wir waren wie eine Familie und lebten in einem Haus mit Garten am Weidenhofweg in Arlesheim. Ich habe es sehr gemocht, was wir alles gemacht haben. Wir haben zusammen aufs Haus und den Garten geschaut, Brot gebacken und Weihnachtsgutzeli. Wir haben zusammen Geburtstage gefeiert, Weihnachten und Ostern. Wir sind nach England und Italien gereist mit einem grünen VW Bus. Wir, das waren eine Handvoll Kinder und ein paar Erwachsene. Ich war sehr gerne mit den Kindern zusammen. Manchmal waren wir auch auf der Alp in Poschiavo oder haben im Berneroberland Kunstprojektwochen gemacht. Da haben wir gemalt auf einer Staffelei draussen auf der Wiese.

Wir sind oft in Konzerte oder ins Museum gegangen oder an Schulaufführungen der Kinder. Das haben wir immer alle zusammen gemacht. Das war sehr schön. Ich habe das auch aus meiner Kindheit gekannt. Ich komme selber aus einer grossen Familie.

Ich liebe Musik und das Tanzen. Ich singe, spiele Gitarre und auch andere Instrumente. Ich gehe seit vielen Jahren in Musikstunden, heute nennt sich das Musiktherapie. Die Kinder haben auch alle ein Instrument gespielt und manchmal hatten wir kleine Hauskonzerte.

Ich bin oft alleine im Dorf einkaufen gegangen. Dann habe ich alle meine Freundinnen besucht und mit ihnen ein Schwätzchen gehalten. Ich habe viele Freundinnen, z.B. Nicole beim Coiffeur, oder die Frau im Eisenwarengeschäft oder in der Drogerie. Meistens habe ich dann auch einen Kaffee bekommen, weil ich sehr gerne Kaffee trinke. Ich durfte aber nicht zu lange schwätzen, sonst haben sie mich Zuhause vermisst. Wenn ich alleine mit einem der Kinder einkaufen ging, dann konnte ich nicht überall ein Bsüechli machen gehen, dann musste ich sehr gut aufpassen, denn ich hatte eine grosse Verantwortung. Das hat mir sehr grosse Freude gemacht.

Wir hatten auch einen Hund. Sie hiess Fanny und war eine Appenzellerin. Mit ihr ging ich spazieren und machte lange Pausen vor dem Malergeschäft, denn da arbeitete jemand, den ich sehr bewunderte. Wir hatten auch Katzen und Hasen. Ich habe Tiere gerne.

Die Familie ist gewachsen und ich konnte das neugeborene Kind in den Armen halten und staunen. Ich durfte mithelfen bei der Pflege der Kinder und konnte sie aufwachsen sehen. So wusste ich auch, wie es ist Mutter zu sein oder Tante.

Ich habe viele Menschen kennen gelernt, ich schätze es sehr mit Menschen im Kontakt zu sein.

Irgendwann sind wir dann umgezogen mit Sack und Pack in das Haus in dem wir noch heute wohnen. 

Ich kann viele Geschichten erzählen über alle die Menschen, Mitarbeiter und Bewohnende, die ich im Laufe der Jahre kennen gelernt habe. Inzwischen sind alle diese Kinder erwachsen geworden, die ich habe aufwachsen sehen. Ich bin immer noch hier, und sie kommen auch alle immer wieder ins Wydehöfli oder arbeiten auch hier.

Das Wydehöfli ist inzwischen gross geworden. Wir haben keine Kinder mehr, aber mehr Bewohner und viel mehr Mitarbeiter. 

Heute gehöre ich zu den Seniorinnen im Wydehöfli. Ich schaue gerne zu, was die anderen so machen und gebe meinen Teil dazu, wo ich kann.

Ich liebe es immer noch, was alles so läuft hier. Die Märkte auf die wir gehen, das Open-Air-Kino, die Feste und das gute Essen.

Das Wydehöfli ist mein Zuhause seit vielen Jahren. Und ich freue mich jedes Mal sehr, wenn ich Besuch bekomme von lieben Menschen, ganz besonders natürlich von meiner Familie.             

Agathas Geschichte im Wydehöfli