INKLUSIV Arlesheim 2026 – ein letzter Rundgang lohnt sich – noch bis 27. September
Noch bis zum 27. September verwandelt INKLUSIV Arlesheim das Dorf in eine Galerie unter freiem Himmel. Bevor die Ausstellung endet, lohnt sich ein Blick auf jene Werke, die den Kern des Projekts am unmittelbarsten zeigen: Sie sind nicht von aussen betrachtete Kunst, sondern von den Bewohnenden und Mitarbeitenden des Wydehöfli gemeinsam gestaltet.
Wenn Bewohnende selbst zu Gestaltenden werden
Am Kirschweg ist die grossformatige Wandmalerei «Nationalität Mensch» von Justine Hausch, Raphael Huber, Matthias Weibel, Marina Tissot und Marco de la Veccia entstanden – ein gemeinsames Bild darüber, was Menschen verbindet, jenseits von Herkunft.
Auf dem Dorfplatz hängt «Unsere Lebensfäden»: unzählige Ketten, gestaltet gemeinsam mit Victoria Conolly – jede ein kleines Stück gelebter Biografie. Wer genau hinschaut, entdeckt in den unterschiedlichen Formen und Farben so viele Handschriften wie Beteiligte.
Eine stille Erinnerung: «Ce qui reste – das was bleibt»
Auf dem Alten Friedhof Arlesheim ist eine Arbeit zu finden, die besonders nachwirkt. Sie widmet sich den sichtbaren und physischen Spuren, die Menschen in ihren Werken hinterlassen. Im Zentrum stehen Arbeiten von Andrea Heinimann und Annemarie Rüttimann, zwei ehemaligen Bewohnerinnen des Wydehöfli, die in diesem Jahr verstorben sind – gezeigt als digitalisierte Zeichnungen auf Leinwand, keramische Arbeiten sowie zeichnerische Spuren, die in skulpturale Drahtfiguren übersetzt wurden. Kuratiert von Anne Gunti und Dominique Mischler, wird die Arbeit durch florale Interventionen ergänzt, die sich im Verlauf der Ausstellung verändern und immer wieder neue Bezüge zu anderen Werken schaffen. So entsteht ein Dialog zwischen den hinterlassenen Werken der Verstorbenen und den lebendigen, vergänglichen Formen, die ihnen antworten. Mit dem Alten Friedhof findet diese Arbeit einen stimmigen Ort: Hier verdichten sich Fragen nach Vergänglichkeit, Erinnerung und dem, was bleibt.
Ein besonderer Denkanstoss: «All-INKLUSIVE-Gesellschaft?»
Direkt vor dem Wydehöfli zu sehen sind die vier Fotoarbeiten «All-INKLUSIVE-Gesellschaft?» von Anne Gunti, Dominique Mischler und der Fotografin Corina Rainer. Sie zeigen die Bewohnende des Wydehöfli selbst und stellen Fragen von Selbstbestimmung, Teilhabe und gesellschaftlicher Zugehörigkeit ins Zentrum: Lebensentwürfe und Wünsche, die für viele selbstverständlich erscheinen – Partnerschaft, Familie, Freizeit, Eigenverantwortung, die Entscheidung über den eigenen Körper –, werden Menschen mit Behinderungen oft nur eingeschränkt zugestanden. Die Arbeit macht sichtbar, wie eng gut gemeinte Fürsorge, strukturelle Vorgaben und gesellschaftliche Vorstellungen miteinander verflochten sein können, und richtet den Blick auf jene Grenzen, an denen eine Gesellschaft an ihrem eigenen Anspruch auf Offenheit stösst.
Nicht Thema, sondern Gestaltende
Diese Werke machen sichtbar, wofür INKLUSIV Arlesheim steht: Menschen mit Behinderung werden nicht dargestellt – sie stellen selbst dar. In der letzten Woche der Ausstellung ist das ein guter Grund für einen weiteren Rundgang durchs Dorf.
Weiterhin offen
Noch bis zum 23. September 2026 ist weiterhin die Sonderausstellung in der Trotte Arlesheim geöffnet. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 15.00 bis 18.00 Uhr und Samstag und Sonntag von 11.00 bis 18.00 Uhr, auch hier ist der Eintritt frei.
2. «INKLUSIV Arlesheim» Freiluftausstellung – noch bis 27. September 2026. Eintritt frei.
